Kampagne „Armut? Würde! Dialog.“
Die Bewegung ATD Vierte Welt organisiert zwischen dem 17. Oktober 2026 und dem 17. Oktober 2027 – dem Internationalen Tag zur Überwindung der Armut – eine nationale Kampagne. Im Zentrum steht ein Dialog, der Menschen in Armutssituationen sowie Akteurinnen und Akteure aus allen Bereichen usammenbringt. Ziel ist es, die vorherrschende Wahrnehmung von Armut und den Umgang damit zu verändern und gemeinsam die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Wandel hin zu einer Gesellschaft zu schaffen, die die Rechte und die Würde jedes Menschen respektiert.
Ziele
- Die Diskrepanz zwischen der in der Bundesverfassung verankerten Menschenwürde und der anhaltenden Armut in der Schweiz anerkennen.
- Die Grundursachen von Armut bekannt machen und sie als strukturelle Realität verstehen, die in der Verantwortung der Gesellschaft und ihrer Institutionen liegt.
- Gemeinsam mit den von Armut betroffenen Menschen ihre Handlungsmacht und das der Fachleute und engagierten Personen entwickeln und die Veränderungen bewirken, die notwendig sind, um die Nichtrespektierung von Rechten und die Chancenungerechtigkeit zu überwinden, die zu Armut und Ausschluss führen.
Kampagenematerial herunterladen:
– Plakat Kampagne „Armut? Würde! Dialog.“
– Flyer Kampagne „Armut? Würde! Dialog.“
Legitimität und Grundlage
- Die grundlegende Legitimität der Kampagne und ihrer Ziele beruht auf dem Erfahrungswissen, dem Mut und dem unermüdlichen Kampf der von Armut betroffenen Menschen. Die mit der Methode des Wissen-Kreuzens erarbeitete Forschung „Armut – Identität – Gesellschaft“ zeugt davon.
- Verfassungsrechtlicher Rahmen
- BV Art. 7: Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen.
- BV Art. 8: Rechtsgleichheit und Nichtdiskriminierung aufgrund der sozialen Stellung.
- BV Art. 12: Das Recht auf Hilfe in Notlagen unter Berücksichtigung der Menschenwürde.
- Der Wille, von einer Sichtweise auf Armut als individuelles oder konjunkturelles Phänomen zur Anerkennung einer dauerhaften und strukturellen Realität überzugehen, gewinnt in öffentlichen und privaten Institutionen zunehmend an Bedeutung.
- Der aktuelle nationale politische Kontext umfasst zivilgesellschaftliche Initiativen und nationale Strukturen (z.B. nationale Struktur gegen Armut), Projekte zur Aufarbeitung historischer Forschungen (z.B. „Erinnern für morgen“) sowie die UNO-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihrem 1. Ziel „Keine Armut“.
- Das Pilotprojekt „Endlosschlaufe Armut“ mit Dialogen zwischen Menschen mit und ohne Armutserfahrung zeigt, dass ein solcher Dialog gewünscht wird, möglich ist und neue gemeinsame Denk- und Handlungsweisen eröffnet.
- Drei zentrale Handlungsschwerpunkte haben sich herauskristallisiert:
- Verstehen und anerkennen von Armut gemeinsam mit Menschen, die sie erleben.
- Erlangen und Stärken von Handlungsmacht von Menschen in Armut und Menschen, die sich mit ihnen engagieren.
- Notwendige Veränderungen gemeinsam entwickeln.
Handlungsfelder, Partner:innen und Aktivitäten
Die Kampagne wird von ATD Vierte Welt Schweiz in Zusammenarbeit mit Akteur:innen der Zivilgesellschaft und Institutionen durchgeführt. Sie ist unabhängig von politischen Parteien und richtet sich an alle Menschen.
Bereich 1 – Gesellschaft
- Dialoge organisieren zwischen Menschen mit und ohne Armutserfahrung, um mit einem breiten Publikum ein Verständnis für Armut und die damit verbundene Diskriminierung zu entwickeln und Narrative zu verändern.
- Das Wissen von Menschen mit Armutserfahrung als Motor des Wandels anerkennen.
Bereich 2 – Institutionen und NGOs
- Räume für gemeinsames Nachdenken und Gestalten schaffen, um die Handlungsmacht von Menschen in Armut sowie von Fachkräften und Freiwilligen dauerhaft zu stärken – in den Bereichen Gemeinwohl und Umwelt, Schule, Bildung und Wissenschaft, Kunst, Religion, Wohnen, Gesundheit, gerechte Arbeitsbedingungen, Sozialwesen, Kinder- und Erwachsenenschutz.
Bereich 3 – Politik und Recht
- Konkrete Massnahmen auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene entwickeln und umsetzen, die es ermöglichen, gemeinsam eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder Mensch gleichermassen existenz- und teilhabeberechtigt ist und in Würde leben kann.
Diese Massnahmen, neuen Handlungsformen und Engagements werden am Ende der Kampagne öffentlich vorgestellt und bilden eine Grundlage für die Verwirklichung der in der Bundesverfassung verankerten Rechte auf Achtung der Menschenwürde und der Rechtsgleichheit.
Wie an der Kampagne teilnehmen:
- Lokale Dialoge organisieren oder daran teilnehmen. Den Kampagnenbus während seiner Tour empfangen, an einem Dialog teilnehmen und sich mit anderen austauschen.
- Armut besser kennenlernen, verstehen und anerkennen. Sich über Armut informieren durch Forschungsarbeiten, die auf dem Wissen armutserfahrener Menschen aufbauen.
- Forschungsbericht „Die verborgenen Dimensionen der Armut“ (ATD international, 2019)
- Forschungsbericht „Beziehungen zwischen Institutionen, der Gesellschaft und Menschen in Armut in der Schweiz: eine Gewalterfahrung, die weitergeht“ (ATD Schweiz, 2023)
- Zu einer Akteurin / einem Akteur des Wandels werden. Treffen, Workshops und Schulungen mit ATD Vierte Welt und armutsbetroffenen Menschen organisieren, um die individuelle und kollektive Handlungsmacht zu stärken.
- Den Wandel gemeinsam gestalten. Die Medien sensibilisieren und neue Narrative etablieren. Bewährte politische und rechtliche Massnahmen vorantreiben und unterstützen, sowie weitere Massnahmen entwickeln – immer unter Einbeziehung von Menschen mit Armutserfahrung.
- Die Kampagne finanziell unterstützen
Kommende Veranstaltungen:
- Samstag, 17. Oktober 2026: Martigny
10 bis 17 Uhr, Place Centrale. (Sprache: FR)
Flyer von Martigny herunterladen (PDF, auf Französisch)
Plakat von Martigny herunterladen (PDF, auf Französisch)
Pressemitteilung von Martigny herunterladen (PDF) - Samstag, 17. Oktober 2026: Basel
13.30-18.00 Uhr. ATD-Treffpunkt, Wiesendamm 14, 4057 Basel. (Sprache: DE) - Samstag, 21. November 2026: La Chaux-de-Fonds
10 bis 13 Uhr, Cafétéria de l’atelier des Perce-Neige Montagnes neuchâteloises, Rue Jardinière 155 A. (Sprache: FR)
Dialog zwischen Menschen mit und ohne Armutserfahrung: mehr Informationen
Vormerken: Rendez-vous in Bern um den 17. Oktober 2027!
Zum Abschluss der Kampagne findet eine grosse Versammlung in Bern statt. Gemeinsam
werden wir Politik und Medien die Vorschläge und Engagements vorlegen – das Ergebnis der Dialoge zwischen der Bevölkerung unseres Landes. Seien wir zahlreich und setzen ein starkes Zeichen!