Sommergruss von ATD Deutschland
Rendez-vous der Teilnehmenden am Gedenkstein der Opfer extremer Armut auf dem Platz der Menschenrechte in Paris. Es wurden Ansprachen gehalten und Zeugenberichte aus der ganzen Welt vorgetragen. Genau an diesem Ort (Palais de Chaillot neben dem Trocadéro Platz) wurde von der UNO vor 80 Jahren die Allgemeine Erklärung der Menschen-rechte angenommen und verkündet. Foto © ATD Vierte Welt international
Liebe Freundinnen, Freunde und Bekannte,
Inmitten der sengenden Sommerhitze grüßen wir Sie in der Hoffnung, dass Sie gut durch diese Rekord-temperaturen kommen – besonders dann, wenn Sie zu den Menschen gehören, die weder in gut isolierten Wohnungen leben noch sich eine Klimaanlage oder ausreichend Ventilatoren leisten können … zu denen, die mit der Großfamilie ein enges Apartment in einer Stadtrandsiedlung bewohnen, wo es weder Grünflächen noch Schwimmbäder gibt, um sich ein wenig zu erfrischen.
Die derzeitigen Hitzerekorde in Europa machen schmerzhaft deutlich, dass die Folgen des Klimawandels nicht alle gleichermaßen treffen. Im Gegenteil: Am härtesten trifft es jene, die am wenigsten zu seiner Entstehung beigetragen haben.
Dieses und andere brennende Themen unserer Zeit kamen bei folgender Veranstaltung zur Sprache:
Vom 3. bis 7. Juni 2026 trafen sich in Villarceaux, Frankreich, das Internationale Komitee für den 17. Oktober, Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung, und die Mitgliederversammlung von ATD Vierte Welt International. Komiteemitglieder sowie ATD-Verantwortliche von fünf Kontinenten, darunter auch die Vorsitzende von ATD Vierte Welt in Deutschland, nahmen teil.
Die Deklaration von Villarceaux
Das Internationale Komitee veröffentlichte zu diesem Anlass eine Erklärung, die die weltweite Solidarität mit Menschen in Armut bekräftigt und zentrale Herausforderungen klar benennt – die „Deklaration von Villarceaux“.
Diese Erklärung hebt hervor, dass Armut durch politische Entscheidungen, ungleiche Machtverhältnisse, diskriminierende Normen und institutionelle Praktiken entsteht. Sie fordert, Menschen mit eigener Armutserfahrung an politischen Prozessen zu beteiligen, Macht und Ressourcen gerechter zu verteilen und öffentliche Dienste sowie soziale Sicherung zu stärken.
Mit Sorge weist das Komitee auf die wachsenden Ungleichheiten hin: Millionen Kinder sind nicht registriert oder leben ohne sozialen Schutz. Viele Menschen leiden trotz ausreichender globaler Ressourcen an Hunger und unsicheren Lebensbedingungen, während der Reichtum der Wohlhabendsten in einem beispiellosen Tempo zunimmt.
Besonders ausführlich befasst sich die Erklärung mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Das Komitee sieht darin eine Chance, etwa für besseren Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder öffentlichen Diensten. Gleichzeitig warnt es vor Risiken: KI‑gestützte Entscheidungen können bestehende Vorurteile verstärken und Menschen in Armut systematisch benachteiligen. Wenn Arbeitsplätze wegfallen, ist sozialer Ausgleich notwendig. Und wenn wenige Unternehmen die Technologie kontrollieren, entstehen neue Machtkonzentrationen. Das Komitee fordert daher klare Regeln, Transparenz und die Beteiligung der am stärksten Benachteiligten bei der Gestaltung dieser Technologien.
Auch die Klimakrise und andere Formen von Diskriminierung werden deutlich angesprochen: Menschen in Armut tragen die geringste Verantwortung, aber die schwersten Folgen. Geschlechterungleichheiten, Rassismus und die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung, älteren Menschen, Kindern oder Migranten verstärken diese Belastungen zusätzlich.
Das Komitee fordert Reformen internationaler Finanz‑, Steuer‑und Schuldenstrukturen und warnt vor der Abnahme globaler Solidarität.
Die kommenden Jahre markieren wichtige Jubiläen internationaler Menschenrechtsabkommen, insbesondere das 80‑jährige Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948). Diese Jubiläen sollen genutzt werden, um die Unteilbarkeit der Menschenrechte ins Zentrum gesellschaftlicher und demokratischer Veränderungen zu stellen — und die Überwindung der Armut als Kernaufgabe zu begreifen.
Abschließend appelliert das Internationale Komitee für den 17. Oktober an alle Staaten, ihre menschenrechtlichen Verpflichtungen ernst zu nehmen, Sozialschutz auszubauen und die Zivilgesellschaft zu stärken. Die jährlichen Gedenktage am 17. Oktober sollen Orte der Würde und der gemeinsamen Aktion bleiben. Besonders junge Menschen werden ermutigt, sich für eine gerechte und inklusive Gesellschaft einzusetzen.
Der Gesamttext ist hier zu lesen:
Deklaration von Villarceaux – Englisch
Deklaration von Villarceaux – Französisch
Eine deutsche Übersetzung ist in Arbeit.
Wir möchten Sie herzlich einladen, darüber nachzudenken, wie diese Erklärung weiter bekannt gemacht werden kann. Ihre Ideen, Vorschläge und Initiativen sind sehr willkommen.
Beilage zum Sommerbrief
In der Beilage zu diesem Brief kommen diesmal zwei Frauen zu Wort – ein langjähriges ATD-Mitglied und eine jüngere Frau, die dabei ist, ATD kennenzulernen. Beide sprechen über ihr Engagement in der Gesellschaft.
Im letzten Brief haben wir auf die Möglichkeit hingewiesen, diesen Brief per E-Mail zu erhalten. Einige haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Wir haben neben dem großen Verteiler für den Halbjahresbrief auch einen weiteren kleineren Verteiler für diejenigen, die gerne auch zwischendurch per E-mail über Veranstaltungen oder Nachrichten von ATD informiert werden. Wenn Sie Interesse daran hätten, auch in den kleineren Verteiler aufgenommen zu werden, genügt eine kurze E-Mail an sekretariat.de@atd-viertewelt.org.
Wir danken Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Unterstützung, sei es durch Mitarbeit und/oder Ihre Spende.
ATD Vierte Welt in Deutschland e.V.
Ort Neudorf 9, 17268 Gerswalde
Tel: 039887 699290 (Festnetz) – 0176 55 33 24 38 (Mobil)
sekretariat.de@atd-viertewelt.org – www.atd-viertewelt.de
Postbank: IBAN: DE88 700100800149795805 – BIC: PBNKDEFF
Überweisen Sie Ihre Spende bitte mit dem Vermerk
‚für ATD Deutschland‘ oder ‚für ATD International‘,
damit wir sie entsprechend einsetzen können.
Zusammen mit den Mitgliedern des Vorstands wünsche ich Ihnen frohe und unbeschwerte Sommertage.
Rosemarie Hoffmann, Vorsitzende