Ein neues Team in Genf!

L'équipe d'ATD Quart Monde Genève

Das ständige ATD Vierte Welt Team in Genf

Bei ATD Vierte Welt Genf wird die Verantwortung des Volontariates nun von vier jungen Frauen übernommen (zwei Spanierinnen und zwei Schweizerinnen): Marina Arcos Arjona, Vir Pintó Muñoz, Aurélia Isoz und Joana Jaquemet. Sie erzählen hier von ihren Prioritäten und ihrem Blick auf eine Stadt, die oft – zu Unrecht – auf einen Finanz- und Diplomatieplatz mit internationaler Ausstrahlung reduziert wird.

Vir, Marina, ihr kommt aus Madrid und habt euch dem ständigen Team in Genf angeschlossen. Inwiefern ähneln sich die beiden Städte, wenn es um das Thema Armut geht, und inwiefern nicht?

Vir – Bei ATD Vierte Welt wird viel über versteckte Armut gesprochen. Genf ist ein extremes Beispiel dafür. Dort lebt eine ganze Welt, weit weg vom Blick des Durchschnittsbürgers und vor allem weit weg vom Blick des internationalen und finanziellen Genf. Diese Welt wird erst sichtbar, wenn man versucht, sie zu sehen. In Madrid ist die Prekarität hingegen viel sichtbarer und jeder kennt die Realität der Suppenküchen, der Solidaritätsprogramme der Kirchengemeinden oder die Namen der ärmsten Viertel.

In meiner kurzen Erfahrung in Genf sind die Menschen, die diese Realität hier leben, unbekannt, unsichtbar und zum Schweigen gebracht.

Es gibt natürlich auch Gemeinsamkeiten, sowohl negative als auch positive. Der institutionelle Missbrauch, den manche Familien tagtäglich erleben, die Schwierigkeit, sich in das Leben der Stadt zu integrieren, wenn dieses von einem frenetischen Konsum bestimmt wird, oder auch die Scham, dieses Elend zu erleben. Und die gleiche Stärke innerhalb der multikulturellen Gemeinschaften, um gemeinsam zu bewältigen, aufzubauen und zu teilen.

Marina – Als ich meiner Familie und meinen Freunden zum ersten Mal erzählte, dass ich mich ATD Vierte Welt in Genf anschliesse, stellten mir alle die gleiche Frage: 

„Was, es gibt Armut in der Schweiz, in Genf?!?“.

Ja, es gibt sie auch hier. Aber ich stimme Vir zu, dass sie versteckter ist. Es gibt so etwas wie eine unsichtbare Grenze zwischen dem Stadtzentrum und den Armenvierteln am Stadtrand. Während wir in Madrid die ärmeren Viertel oft mit „gefährlichen“ Orten in Verbindung bringen, ist das hier glücklicherweise nicht allzu sehr der Fall. Ansonsten würde ich sagen, dass Armut in Genf genauso gelebt wird wie in Madrid: in Isolation, Einsamkeit, Ausgrenzung und Scham.

Was sind die Prioritäten von ATD Vierte Welt in Genf? Und inwiefern spiegeln eure Aktionen die Tatsache wider, dass ihr vier Frauen und vier junge Menschen seid?

Wir haben das Glück, vier starke und engagierte Frauen zu sein, die aus unterschiedlichen Kontexten kommen und auf sehr unterschiedliche Weise erleben, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Wir haben eine grosse Stärke, sind voller Energie und Enthusiasmus. Unser Team ist bereit, die Initiative zu ergreifen und eine kreative und innovative Note einzubringen. Seit unserem Zusammenkommen vor vier Monaten haben wir uns bemüht, eine gute Arbeitsgrundlage zu schaffen – indem wir uns kennenlernen, aufeinander achten, gemeinsam ein Teamleben aufbauen und vor allem, indem wir unsere Überlegungen und Handlungen in der lokalen Realität verankern. All dies ist unerlässlich, um die Aktionen von ATD Vierte Welt in Genf erfolgreich durchzuführen.

Wir arbeiten in drei Hauptrichtungen:

  • Neue Menschen, die von Tag zu Tag gegen die Armut kämpfen, dort treffen, wo sie leben – insbesondere in den Stadtvierteln Châtelaine und Libellules;
  • Die Familie und die Kinder in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen – insbesondere dank der Strassenbibliothek und eines internationalen Workshops über das Recht, in einer Familie zu leben;
  • Im Joseph-Wresinski-Haus (unserem Sitz in Genf) eine Dynamik der Begegnung und des „gemeinsamen Tuns“schaffen.

Mit diesen Leitlinien als Kompass werden die nächsten Monate wichtig sein, um die Bewegung in Genf weiterzuentwickeln – als Team, mit Verbündeten und AktivistInnen.

Marina Arcos ArjonaVir Pintó MuñozAurélia Isoz und Joana Jaquemet, ständige Volontärinnen von ATD Vierte Welt Genf