Ein Abenteuer, das man von innen erleben muss
Feuer und Flamme für die Aufführung von Un portrait de famille: Jean-Marc (links) und Loïc (Zivilist letztes Jahr). © Jean-Marc Varidel / ATD Vierte Welt
Nach über einem Jahr Engagement an der Seite von ATD Vierte Welt, insbesondere bei der Valorisierung der AIG-Forschung (Armut – Identität – Gesellschaft), begab sich Jean-Marc im Dezember 2025 wieder „auf den Weg“. Zeit für ihn, seine Eindrücke mitzuteilen. Seine Äusserungen zeugen von einer engen Verbundenheit mit der Bewegung.
Jean-Marc Varidel, AIG-Valorisierungsgruppe
„Kennst du ATD Vierte Welt?“, fragten mich Perry und Camille, als wir Tee trinkend in den Sesseln ihres Wohnzimmers sassen. Mein Interesse war geweckt: „Nein, was ist das? Erzählt mal!” Und es wurde ein langer Abend. Denn die Bewegung lässt sich nicht in ein paar Minuten erklären …
Selbst am Ende meines Engagements habe ich die Komplexität und Tiefgründigkeit von ATD Vierte Welt nicht vollständig erfassen können. Die Bewegung zu verstehen ist eine immer weiterführende Suche, ein Weg, ein Abenteuer, das man von innen heraus erleben muss. Jede Dynamik, jeder Bereich, jede Aktion hat ihre eigenen Farben, bereichert durch die Personen, die sie verkörpern und ihnen Leben einhauchen. ATD, das sind Regenbögen, die aufeinandertreffen und sich gegenseitig bereichern, verbunden durch die bedingungslose Würde eines jeden einzelnen Menschen. Gleich einem Perpetuum Mobile.
Mein Engagement erfolgte in der Valorisierungsgruppe der AIG-Forschungsergebnisse. Nach Veröffentlichung des Schlussberichts nahmen die Anfragen und das Interesse zu, und der kleinen Gruppe wurde bewusst, dass sie Verstärkung brauchte. So wurde die Position erschaffen, welche ich sechzehn Monate lang besetzen durfte.
Verschiedene Persönlichkeiten – gemeinsame Werte
Sich bei ATD Vierte Welt zu engagieren, bedeutet zunächst einmal, die Bewegung zu erfassen und das braucht Zeit. Verstehen, hinterfragen, erleben, experimentieren und vor allem Menschen kennenlernen. Ich war fasziniert von der Vielfalt der Menschen, die ich kennengelernt habe, mit ihren unterschiedlichen Sensibilitäten und Kompetenzen, aber alle mit strahlenden Augen: die Augen des Engagements für Werte, die ihnen am Herzen liegen.
ATD Vierte Welt engagiert sich für Menschen in Armut. Aber die Bewegung, die dadurch entsteht, reicht über ATD Vierte Welt selbst hinaus. Je nach Umstand finden die Werte von ATD Resonanz in verschiedenen Lebenserfahrungen rund um soziale Ausgrenzung, Unverständnis der Gesellschaft, Identität und die Fähigkeit, entsprechend dem einzigartigen Herzen jedes Menschen zu handeln. So verstehe ich die Einheit in den vielfältigen Engagements innerhalb von ATD Vierte Welt: alle verschieden, jedoch verbunden durch eine Leidenschaft für die Würde eines jeden einzelnen Menschen.
Im Laufe der Zeit konnte ich durch verschiedene Begegnungen und Projekte in die Welt eintreten, welche ATD Vierte Welt ausmacht, allmählich meinen Platz darin finden und mich durch mein Engagement und meine eigenen Ideen in die Bewegung einbringen.
Müsste ich mein Engagement bei ATD Vierte Welt in einem Wort zusammenfassen, dann wäre es spontan Begegnungen. Begegnung mit verschiedenen Realitäten, Hintergründen, Lebensgeschichten und Systemen aller Art (auf familiärer, institutioneller, ziviler und, assoziativer Ebene), die aufeinandertreffen und aus denen manchmal unglückliche, manchmal glückliche Situationen entstehen; Begegnung von Menschen mit vielfältigen Facetten und unterschiedlichen Empfindungen, die alle in ihrer Einzigartigkeit die Welt mit ihrer Farbe bereichern; und zu guter Letzt: Begegnung mit sich selbst, wie man aus der Sicht Dritter und der Systeme wahrgenommen wird, was zu mehr Vertrautheit mit sich selbst führt.
Mein Engagement mit ATD Vierte Welt hat mich verändert. Es war ein Abenteuer, das an einem Tag begonnen hat und immer weitergeht. Meine Verbindung zu ATD Vierte Welt hört nicht mit dem Ende meines Engagements auf. Sie ist eine Herzensangelegenheit.
Übersetzung FR-DE: Kim Klinger